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Wissenswertes zu Internet-Studien

Deutschland zeigte sich im Jahr 2001 zunehmend widersprüchlich: einerseits nehmen soziale Netzwerke und globales Denken zu, andererseits stehe die deutsche "Kultur" der Verbreitung des Internets entgegen.
Dipl.-Soz. Barbara Schwarze äußerte sich über Trends und Themen.

Die Marktforschungsstudien von Ipsos Deutschland/Risc und TSN Emnid stellen 2001 für Deutschland einen Trend zur "Internetverweigerung" fest. Ipsos vermerkt, dass das Land im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien stärker auf Stabilität als auf Veränderung ausgerichtet sei. Deutschland zeige sich im Jahr 2001 zunehmend widersprüchlich: einerseits nehmen soziale Netzwerke und globales Denken zu, andererseits stehe die deutsche "Kultur" der Verbreitung des Internets entgegen.

Studie I
IPSOS/RISC 2001: Studie zu sozio-kulturellen Veränderungen ? (Erhebung: Kombination sozio-demografischer und marktspezifischer Daten)

  • 58 % der Deutschen sind nach Ipsos Internetverweigerer, also nicht daran interessiert online zu gehen. Dies ist der höchste Prozentsatz, der innerhalb Europas ermittelt wurde.
  • Das Verhältnis der Deutschen zum Internet ist zwiespältig: sie seien sich der Wichtigkeit des Internets bewusst, um in der Welt konkurrenzfähig zu bleiben. Die Benutzung des Internets werde eher als lästige Notwendigkeit, denn als Zugewinn der Möglichkeiten betrachtet.

Studie II
TNS EMNID/Initiative D21: Der Verweigereratlas - Basiserhebung - (Erhebungsbasis n = 19.690)
Die "Verweigerer" in Zahlen:

  • 52,5 % der Deutschen ab 14 Jahren (oder 36,7 Mio.) sind nach TNS Emnid derzeit im privaten Bereich Internetverweigerer.
  • 10,4 % (oder 7,35 Mio.) sind die sog. Intender, also Personen, die planen, in der nächsten Zeit private Onlinenutzer zu werden.
  • 37,0 % (oder 25,9 Mio.) sind NutzerInnen, sie nutzen derzeit das Internet im privaten Bereich.

Die "Verweigerer" geschlechtsspezifisch betrachtet:

  • Frauen stellen mit knapp 60 % die grösste Gruppe derjenigen, die die private Internetnutzung verweigern. Bei den Männern liegt dieser Anteil bei ca. 47 %.
  • Die Gruppe der Intender ist mit 11 % (Männer) bzw. 10 % (Frauen) ähnlich gross.
  • Männer sind mit 44,2 % überdurchschnittlich häufig Onlinenutzer, Frauen mit knapp über 30 % deutlich weniger in der privaten Nutzung vertreten.

Die "Verweigerer" - nach Alter:

  • 20 % der 14 - 19 Jährigen
  • 25 % der 20 - 29 Jährigen lehnen die private Nutzung ab, 33 % der 30 - 39 Jährigen, 44 % der 40 - 49 Jährigen
  • 60 % der 50 - 59 Jährigen, 81 % der 60 - 69 Jährigen, 92 % der 70 Jährigen und älteren Personen lehnen eine private Nutzung ab.

Tendenz: mit zunehmendem Alter nimmt die Ablehnung einer privaten Nutzung zu.

Die "Verweigerer" - nach Schulbildung:

  • Je höher die Schulbildung, desto eher sind die Bürgerinnen und Bürger Onlinenutzer. Trotzdem gibt es einen digitalen "Graben" auch zwischen den formal besser Gebildeten.
  • Unter den formal "schlecht" Gebildeten (Volksschule ohne Lehre) befinden sich nur 15,2 % private NutzerInnen, 6 % Intender und knapp 70 %, die eine private Nutzung ablehnen.
  • Auch unter besser Gebildeten (weiterführende Schule, ohne Abitur), die zu 44,6 % das Internet nutzen, gibt es eine fast ebenso starke Gruppe von "Verweigerern" (43,1 %).

Die "Verweigerer" - nach Berufstätigkeit:

  • Knapp 50 % der Berufstätigen nutzen auch privat den Onlineanschluss, knapp 40 % dieser Gruppe möchte kein Nutzer/keine Nutzerin werden.
  • Unter den nicht Berufstätigen sind etwa 28 % NutzerInnen, aber 66,4 % aus dieser Gruppe lehnen eine private Nutzung ab.

Die "Verweigerer" - nach Haushaltsnettoeinkommen:

  • Die private Internetnutzung ist immer noch mit verhältnismäßig hohen Kosten verbunden. Entsprechend steigt die Nutzung mit dem Haushaltsnettoeinkommen.
  • Unter Personen mit geringem Einkommen (unter 2.000,- DM netto) haben über 70 % nicht die Absicht zukünftig einen privaten Zugang zu erwerben.

Studie III
Ipsos-Reid: Face to the Web II - Face to the Web/Youth (2000/2001) (Erhebungsbasis: 28.000 Interviews mit OnlinenutzerInnen in 30 Ländern)

  • Die großen Internetwachstumsraten in den USA sind nach Ipsos-Reid eine Sache der Vergangenheit. Nun bricht die "post-revolutionäre" Phase an, die Entwicklung wird langsamer, stabilisiert sich.
  • Die Zunahme betrug bisher 13 % jährlich, Ipsos-Reid beziffert die Zahl der Nutzerinnen und Nutzer Ende 2000 weltweit auf 350 Millionen Erwachsene.
  • Global betrachtet, reduziert sich der große Vorsprung der USA. Ihr Anteil an der weltweiten Internetnutzung verringerte sich im letzten Jahr von 40 % auf 34 %.
  • Der Prozentsatz der Internetnutzerinnen und -nutzer pro Land ist inzwischen am höchsten in Schweden (65 %), gefolgt von Kanada (60 %) den USA (59 %). Deutschland steht hier an 10. Stelle (37%).
  • Zunahmen sind weltweit bei Frauen und älteren Leuten zu verzeichnen: der Anteil der Frauen wuchs von 41 % (1999) auf 44 % (2000), der Anteil der 54-Jährigen und älteren Personen wuchs von 11 % (1999) auf 13 % (2000). Letztere Gruppe ist aber nach wie vor die kleinste Nutzergruppe und hat, nach eigenen Angaben, die geringste Verwendung für das Internet.
  • Zuwachsrate Frauen: Von den potentiellen NutzerInnen des Netzes werden 54 % weiblich sein. In den führenden Internetländern wie den USA, Kanada, Australien, Finnland, Schweden und der Schweiz liegt der Prozentsatz der neuen Frauen sogar bei 60 %.
  • Die Bedeutung der englischen Sprache sinkt: Überall dort, wo Englisch nicht die Hauptsprache ist, ziehen neun Zehntel der Nutzerinnen und Nutzer vor, ihre lokalen Informationen in der eigenen Sprache zu erhalten.
  • Die Nummer 1 unter den Anwendungen bleibt die Email, 90 % der Nutzerinnen und Nutzer versenden Emails und werden dies auch weiter tun.
  • Nutzungsgründe für Newcomer: Die Beschaffung von Informationen, Kommunikation und generelle Neugier. E-Commerce kommt erst an vierter Stelle, da die Newcomer einige Zeit brauchen, bis sie das Handwerkszeug des Netzes erlernt haben.
  • Hinderungsgründe: das Fehlen von Wissen und fehlendes Equipment. Nur 40 % der potentiellen NutzerInnen verfügen über einen eigenen PC.

[03.03.2005]

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